Neue Rezension  

Cover: KonstellationenNeu in meiner Bibliothek:
"Gustav Freytag - Konstellationen des Realismus"
von Philipp Böttcher


Hier die Rezension dazu

   

Aktuelle Rezension  

Cover: Julian SchmidtHier eingestellt:
die Rezension von Bernt Ture von zur Mühlen zum neuen Buch von Norbert Otto:

"Julian Schmidt. Eine Spurensuche"

   

Bewertung: 5 / 5

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In den letzten Jahrzehnten kam zu Oristano auf der Insel Sardinien eine größere Anzahl Handschriften und Brieffragmente auf Pergament und Papier zum Vorschein, deren Inhalt die größte Bedeutung für Geschichte und Alterthümer der Insel beanspruchte. Die Documente waren ihrem Inhalte nach aus fast jedem Jahrhundert unserer Zeitrechnung, vom achten bis sechzehnten, darunter auch ein Palimpsest; sie enthielten eine Fülle von Thatsachen über die Geschichte und die Zustände der Insel Sardinien durch das ganze Mittelalter, die ältesten Proben italienischer Sprache in Vers und Prosa, Lebensgeschichten berühmter Sarden u.s. w.; sie erschienen als Bestandtheile einer Sammlung, welche beim Erwachen der Humanitätsstudien ein literarisch gebildeter Sarde angelegt hatte. Im Jahre 1846 wurde das erste dieser Documente, 1863 die ganze Sammlung unter dem Titel: Pergame, codici e fogli cartacei di Arborea von Pietro Martini in stattlichem Werke herausgegeben. Die Sache machte großes Aufsehen, zumeist in Italien, die Bereicherung unseres Wissens war plötzlich und auffallend, die ganze Culturgeschichte des italienischen Mittelalters erhielt ein verändertes Aussehn.


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Aber auch an der Echtheit des ganzen Fundes wurde gezweifelt und die Gelehrten Italiens nahmen eifrig für und wider Partei. Als im März 1869 Professor Theodor Mommsen in Turin weilte, wurde ihm von Herrn Baudi di Besme, Mitglied der Turiner Akademie der Wissenschaften, welcher für die Echtheit der Sammlung gekämpft hatte, der Wunsch ausgesprochen, daß die königliche Akademie der Wissensfhaften zu Berlin diese Frage einer sorgfältigen Prüfung unterziehen möge. Der Italiener erbot sich, für diesen Fall zu veranlassen, daß eine Anzazhl der Handschriften, welche jetzt in der öffentlichen Bibliothek von Cagliari aufbewahrt werden, nach Berlin gesandt werde. Die Berliner Akademie ging auf diesen Antrag soweit ein, daß sie einige sachkundige Gelehrte zu einer Prüfung veranlaßte.
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Philipp Jaffé beurtheilte die alte Schrift, Adolf Tobler die alte italienische Sprache, Alfred Dove die geschichtlichen Angelegenheiten, Theodor Mommsen die Inschriften, welche in der Sammlung nach den Notizbüchern eines im Jahre 1510 verstorbenen sardinischen Sammlers mitgetheilt waren. Die vier Gutachten wurden im Januarbericht der Akademie durch Moriz Haupt veröffentlicht, sie lauteten einstimmig dahin, daß die sämmtlichen unter dem Namen der Documente von Arborea mitgetheilten Handschriften und Schriftstücke eine große, unverschämte, planvolle Fälschung sind.

Von vorneherein war aufgefallen, daß dieser ganze Schatz ein gewisses einheitliches Ziel nicht verleugnete, daß sämmtliche Manuscripte aus den verschiedenen Jahrhunderten ihrem Inhalte nach den Ruhm der Insel Sardinien, seine alte Cultur, die Tapferkeit seiner Einwohner überliefern und daß sie alle zusammen wirken, die Geschichte Sardiniens durch Thatsachen, Helden und Dichte zu schmücken, um seine Literatur mit Inschriften, Geschichtswerken und Gesängen zu bereichern. Herr Jaffé erkannte sofort, daß die in den Handschriften des Mittlalters üblichen Abkürzungen in einer durchaus willkürlichen, in jedem Jahrhundert unerhörten Weise gebraucht waren,, und zwar für die verschiedensten Jahrhunderte im Ganzen dieselbe Art und Weise der Abkürzungen; dann daß die Pergament- und Papierblätter, wenigstens die Ränder, in mannigfache Flüssigkeiten getaucht und mit ungeschickter Sorgfalt durch künstliche Schmutzflecke verziert worden sind, um die Arbeit alt erscheinen zu lassen.
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- Ergötzlich ist, was Professor Tobler über die Erfindungen des Fälschers mittheilt. Dem Fälscher lag z. B. am Herzen, eine Probe von sardinischer Prosa aus dem 8. Jahrhundert unserer Zeitrechnung zu beschaffen zum Ruhm seiner Insel. Er erfand also einen Hirtenbrief eines sardinischen Bischofs vom Jahre 740, in dem dieser, wie gelegentlich, ein Treffen zwischen Sarrazenen und tapferen Sarden erwähnt. Weil aber die Herstellung einer Handschrift aus dem Jahre 740 doch mißlich erschien, so erdachte der Fälscher eine zwei- bis dreimalige Abschrift dieses uralten Briefes, von denen die erste kurz nach dem Jahre 1079 für eine Actensammlung erfolgt sein soll, und zwar in der Weise, daß schon  damals ein Notar der Abschrift ein Zeugniß beigelegt habe, das Original sei in einem Zustand arger Zernagung gewesen, und es hätte sich nicht Alles lesen lassen, daher eine Anzahl Lücken. Mit noch größerer philologischer Genauigkeit beschreibt der zweite erfundene Curiositätensammler aus dem 14. Jahrhundert diese Actensammlung ganz in der Weise eines Forschers, der für eine gelehrte Zeitung arbeitet. Und wohl gemerkt, die trümmerhafte Handschrift, deren Inhalt auf solche Weise durch die Jahrhunderte geschleppt sein soll, hatte für mittelalterliche Menschen keinerlei Interesse, welches diese Sorgalt erklären könnte.
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- Noch wunderlicher ist eine andere Anekdote des Fälschers. Um die von ihm verfertigten Proben altitalienischer Sprache glaubhaft zu machen, erfindet er sich folgenden kleinen Roman: "Im Jahre 1271 wurde ein sardinischer Kaufmann von einem Römer seiner Sprache wegen angegriffen; da er sich dem Gegner nicht gewachsen fühlte, wandte er sich an einen gelehrten Landsmann, Comita de Orru, und dieser setzte für ihn (im Jahr 1271!) eine sprachwissenschaftliche Denkschrift auf, deren Inhalt sich der Gekränkte nur einzuprägen brauchte, um durch zahlreiche Enführungen den Römer zur Achtung vor der sardinischen Sprache zu zwingen. Der erfundene Sprachweise Comita brauchte aber, wie man erfährt, sich das Material für seine Schrift nicht erst zu sammeln,; ihm lag ein - leider seither verschwundenes - Werk vor, das alles Nöthige in bester Ordnung und Vollständigkeit bot, eine "Geschichte der sardinischen Sprache" von Giorgio von Lacon (geboren 1177, gestorben 1267). Unter diesem Titel (historia dessa lingua sardesca) sollte nämlich ein gelehrter Zeitgenosse von Innozenz III und IV ein Werk geschrieben haben, in welchem er, gestützt auf zahlreiche selbstgesammelte, sprachgeschichtliche Documente, Inschriften, Briefe, Gedichte u. s. w. und auf Beobachtungen, die er, zu diesem Zwecke kostspielige Reisen nicht scheuend, in Italien, Frankreich und Spanien gemacht, jeden wünschenswerthen Aufschluß gab, - worüber? - über die völlige Uebereinstimmung der sardinischen Sprache mit der rustiken Sprache der Römer und über ihr Verhältniß zur italienische, spanischen, französischen und provanzalischen."

Aus dieser wundervollen Fundgrube bezog nach der Darstellung des Fälschers der gelehrte Sarde Comita mit größter Bequemlichkeit alles Nöthige. Durch diesen Auszug aber soll der mitgetheilte altsardinische Sprachschatz in einer Abschrift des 15. Jahrhunderts erhalten sein. Professor Tobler weist ferner aus der Beschaffenheit dieser sogenannten altitalienischen Sprache unwiderleglich nach, daß auch nach dieser Seite eine Fälschung vorliege. - Ebenso wird aus dem Gutachten von Alfred Dove ersichtlich, daß der Fälscher in seinen geschichtlichen Berichten nach unwahren Angaben späterer italienischer Historiker gearbeitet hat, daß er z. B. von Sarrazenenhäuptling Mogehid, der von den nahen Balearen im 11. Jahrhundert Sardinien überzog und plünderte und von italienischen Chronisten als König Musetus erwähnt wird, zu einem König in Afrika gemacht hat, und daß er ihn mehre Jahre, nachdem er gestorben war, in Sardinien einfallen läßt und zwar in einem Berichte, der zur letzten Quelle einen Zeitgenossen des Königs  Musetus haben soll. - Endlich bewies Theodor Mommsen, daß die Fälschung mit Benutzung neuer literarischer Hilfsmittel, auch neu entdeckter echter Inschriften verfertigt und noch nach dem Jahre 1856 mit Zusätzen versehen worden ist. - Der jetzt verstorbene herausgebern Pietro Martini hat in gutem Glauben gehandelt, undeutlicher scheint der Antheil des ersten Entzifferers und Abschreibers der Handschriften, eines Herrn Ignatius Pillito.

Dies Blatt versagt sich nicht, auf den Bericht der  Berliner Akademie der Wissenschaften aufmerksam zu machen, weil der Fall an sich merkwürdig und die Behandlung desselben durch unsere Freunde eine sehr erfreuliche und musterhafte ist. Die werthen Gelehrten von der Berliner Akademie gleichen in dem Bericht ganz dem Bergleuen des Homer, welcher einem schlechten Köter im Vorbeigehen ruhig den vernichtenden Tatzenschlag versetzt, und dann edlerem Wild nachjagt.

Aus den Grenzboten 1870, Nr. 15
Entnommen aus: Gustav Freytag, Gesammelte Werke in 22 Bänden, Band 16, Seite 385 - 389, 2. Auflage; Leipzig, Hirzel 1897

   

Kurz-Biographie

Gustav Freytag wurde am 13. Juli 1816 in Kreuzburg (Schlesien) geboren. Sein Vater Gottlob Ferdinand war Arzt, seine Mutter Henriette Albertine eine geborene Lehe. Mit Unterbrechung war Gottlob Ferdinand Bürgermeister von Kreuzburg. Freytag studierte bei Hoffmann von Fallersleben und Karl Lachmann. Da er aus politischen Gründen keine Professorenstelle bekam, wurde er zunächst als Privatdozent in Breslau tätig. Ab 1848 gab er gemeinsam mit Julian Schmidt die nationalliberale Zeitschrift „Die Grenzboten“ heraus. Seine Artikel brachten ihm u. a., daß er von Preußen steckbrieflich gesucht wurde. Er ließ sich schließlich in Siebleben bei Gotha nieder, wo ihm später von Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha der Hofratstitel verliehen wurde.

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Kurz-Biographie

Gustav Freytag wurde am 13. Juli 1816 in Kreuzburg (Schlesien) geboren. Sein Vater Gottlob Ferdinand war Arzt, seine Mutter Henriette Albertine eine geborene Lehe. Mit Unterbrechung war Gottlob Ferdinand Bürgermeister von Kreuzburg. Freytag studierte bei Hoffmann von Fallersleben und Karl Lachmann. Da er aus politischen Gründen keine Professorenstelle bekam, wurde er zunächst als Privatdozent in Breslau tätig. Ab 1848 gab er gemeinsam mit Julian Schmidt die nationalliberale Zeitschrift „Die Grenzboten“ heraus. Seine Artikel brachten ihm u. a., daß er von Preußen steckbrieflich gesucht wurde. Er ließ sich schließlich in Siebleben bei Gotha nieder, wo ihm später von Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha der Hofratstitel verliehen wurde.

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Ausgewählte Sekundärliteratur

Hier werden im Laufe der Zeit Werke über Gustav Freytag verzeichnet. Diese subjektive Zusammenstellung, welche momentan nur wenige Titel erhält und noch erweitert wird, erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

 

Update 23. Januar 2019:
Dieser Bereich wird derzeit im Hintergrund völlig neu gestaltet einschließlich einer ersten Erweiterung. Nach Freischaltung (im Laufe der nächsten beiden Wochen) wird diese Bibliographie übersichtlicher und umfangreicher an den Start gehen. Da die Erweiterung dann deutlich einfacher ist als bisher, werden im Laufe der nächsten Wochen deutlich mehr Werke hier verzeichnet sein und die Bibliographie gepflegt, das heißt Neuerscheinungen werden möglichst zeitnah hier auftauchen.

 

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Die Blume des Weins

1.

Der Wein, die liebliche Pflanze, ward hoch vor andern geehrt,
Ihr hat der müde Schöpfer zwei Blüthen im Jahre beschert,
Die ein' am Rebenstocke bei Sonnenlicht und Pracht,
Die andere tief im Keller in finstrer Mittternacht.
Die erst' in freien Lüften ist klein mit zartem Duft,
Die zweit' im Faß verborgen, erfüllt mit Balsam die Luft.
Wir fühlen die Kraft der Blumen am weingefüllten Glas,
Die Küfer aber verstehen das geistige Blühen im Faß,
Sie ahnen die tief Verborgene, sie scheuen das heimliche Leben,
Den nächtlichen Duft im Keller, und fürchten die Blume der Reben.
Doch ist ihr alter Glaube, bei hundertjährigem Wein
Soll einmal auch für Menschen die Pflanze sichtbar sein.

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Gesammelte Werke

 

Verzeichnis der Bände der Ausgabe der "Gesammelten Werke", die ab 1887 erschienen ist. (Quelle: meine eigene Ausgabe, 2. Auflage 1896-1898. Die Schreibweise, wie "Bildniß" oder "Acte" wurde aus den Büchern unverändert übernommen.)

Cover: Freytag - Gesammelte Werke

 

 

 

Verlag von S. Hirzel, Leipzig 1896 - 1898

 

 

 

 

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