Neue Rezension  

Cover: Julian SchmidtHier eingestellt:
die Rezension von Bernt Ture von zur Mühlen zum neuen Buch von Norbert Otto:

"Julian Schmidt. Eine Spurensuche"

   

Neu eingetroffen  

Cover: KonstellationenNeu in meiner Bibliothek:
"Gustav Freytag - Konstellationen des Realismus"
Philipp Böttcher
- Rezension demnächst -

   

Bewertung: 5 / 5

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Jeder begehrt Macht und je größer seine Macht wird, desto höher steigt seine Begehrlichkeit. (Seite 158)

 

Cover: Gustav Freytag

 

Zum Inhalt

Rund zweihundertfünfzig Jahre nach dem Ende des ersten Bandes hebt dieser Roman im Kloster Hersfeld an, wo ein Nachfahre des Ingraban Mönch werden soll. Immo jedoch zieht es auf die Burg der Väter und in den Kampf zu Heinrich II. gegen den Babenberger. So verläßt er das Kloster, nicht ohne sich mit der Tochter des Grafen Gerhard, die er später heiraten möchte, gut zu stellen. Hildegard jedoch soll ins Kloster gezwungen werden, so daß Immo sich schließlich gegen den König stellt.

 

 

 

Kommentar / Meine Meinung

Schon jetzt, rund zweihundertfünfzig Jahre nach dem Ende der Ereignisse des ersten Bandes und 650 Jahre nach dem Beginn der Saga ist vieles in Vergessenheit geraten. Ähnlich wie den Helden dieses Teils, wenn sie an ihre Vorfahren dachten, ging es auch mir, denn es ist einige Zeit her, daß ich mich von Ingraban verabschiedet habe.

Vollends ungewohnt wurde es jedoch, als die Handlung dieses Buches keine fünf Gehminuten von meiner Wohnung entfernt begann und einige Zeit spielte: im seinerzeitigen Kloster Hersfeld. Zwar ist von den damaligen Bauten nicht mehr viel vorhanden, aber dennoch ist es ein etwas eigenartiges Gefühl, wenn die Romanhelden im Verlauf Wege über Gelände gehen, auf dem heute möglicherweise das Haus steht, in welchem man selbst wohnt; oder wenn von Hügeln die Rede ist, die aus dem eigenen Fenster gesehen werden können.

Da Immo als Held dieses Teils eingeführt wurde, und die „Ahnen“ noch etliche Jahrhunderte überdauern werden, ist bald klar, daß er nicht auf Dauer im Kloster bleiben würde. So verließ er es denn auch bald, um sein Glück in der Welt zu suchen und mitten in den Händeln seiner Zeit um die Königskrone Heinrichs II., des letzten Ottonen, zu stecken.

Der Konflikt zwischen Christen- und Heidentum, der „Ingraban“ noch prägte, ist ausgestanden, nur vereinzelt hört man noch von alten Bräuchen, die man aber besser nur im Verborgenen pflegen sollte. Das Denken der Menschen, groß wie klein, ist vom christlichen Gedankengut durchdrungen und prägt das Handeln. Was in der Praxis aber nicht heißt, daß weltliche oder gar machtpolitische Dinge vergessen würden. Klerus wie weltliche Herrscher sind sehr auf ihren je eigenen Vorteil bedacht und meinen, mit dem „Himmel“ so handeln zu können, wie sie dies hier auf Erden tun.

Die Spannung weltlich - himmlisch, und wie man sich die „Himmlischen“ gewogen machen kann, prägt weite Teile des Buches. Gustav Freytag beschreibt für meine Begriffe nicht einfach eine in die Vergangenheit projizierte (Wunsch-)Welt, wie man das heute in historischen Romanen so oft findet (in denen die heutigen Vorstellungen in die Vergangenheit übertragen werden), sondern ich hatte durchgängig das Gefühl, von Menschen zu lesen, die in Dimensionen des frühen 11., nicht in denen des 19. Jahrhunderts dachten. Auch sprachlich hat Freytag seine Erzählung der Zeit, in der sie spielt, angepaßt, so daß ich wirklich in eine für heutige Verhältnisse recht fremde Welt eingetaucht bin und eine Vorstellung bekam, was die Menschen vor rund tausend Jahren bewegte, wie sie lebten und dachten.

Mehr als ein Mal empfand ich die Art sowohl der Geistlichen wie der Weltlichen befremdlich und nur schwer nachvollziehbar - eben weil sie Kinder ihrer Zeit waren, während ich der meinen angehöre. Dieses Nahebringen einer untergegangenen Epoche war für mich einer der interessantesten Aspekte bei diesem Buch und unterscheidet es von gar etlichen historischen Romanen, die ich gelesen habe.

Am Ende, als die Schlachten geschlagen und der Fortbestand der „Ahnen“ gesichert ist, gilt es Abschied zu nehmen von fremden und doch durch die Seiten hindurch vertraut gewordenen Recken, von denen im nächsten Band, über zweihundert Jahre später, vielleicht nicht einmal mehr Erinnerung übrig geblieben ist. Nur ihre Taten wirken noch fort, auch wenn die Nachfahren davon vielleicht wenig bis nichts wissen.

 

Kurzfassung

Gegen Kirche und König muß Immo kämpfen, will er sein Lebensziel erreichen. Eine lebendige Schilderung einer fernen Zeit.

 

Über den Autor

Eine Biographie des Autors finden Sie > Hier auf der Gustav-Freytag-Infoseite < .

 

Bibliographische Angaben meiner gelesenen Ausgabe

Gesammelte Werke in 22 Bänden, Verlag von S. Hirzel, Leipzig, 2. Auflage 1897, Band 9. Gebunden, 320 Seiten

   

Kurz-Biographie

Gustav Freytag wurde am 13. Juli 1816 in Kreuzburg (Schlesien) geboren. Sein Vater Gottlob Ferdinand war Arzt, seine Mutter Henriette Albertine eine geborene Lehe. Mit Unterbrechung war Gottlob Ferdinand Bürgermeister von Kreuzburg. Freytag studierte bei Hoffmann von Fallersleben und Karl Lachmann. Da er aus politischen Gründen keine Professorenstelle bekam, wurde er zunächst als Privatdozent in Breslau tätig. Ab 1848 gab er gemeinsam mit Julian Schmidt die nationalliberale Zeitschrift „Die Grenzboten“ heraus. Seine Artikel brachten ihm u. a., daß er von Preußen steckbrieflich gesucht wurde. Er ließ sich schließlich in Siebleben bei Gotha nieder, wo ihm später von Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha der Hofratstitel verliehen wurde.

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Kurz-Biographie

Gustav Freytag wurde am 13. Juli 1816 in Kreuzburg (Schlesien) geboren. Sein Vater Gottlob Ferdinand war Arzt, seine Mutter Henriette Albertine eine geborene Lehe. Mit Unterbrechung war Gottlob Ferdinand Bürgermeister von Kreuzburg. Freytag studierte bei Hoffmann von Fallersleben und Karl Lachmann. Da er aus politischen Gründen keine Professorenstelle bekam, wurde er zunächst als Privatdozent in Breslau tätig. Ab 1848 gab er gemeinsam mit Julian Schmidt die nationalliberale Zeitschrift „Die Grenzboten“ heraus. Seine Artikel brachten ihm u. a., daß er von Preußen steckbrieflich gesucht wurde. Er ließ sich schließlich in Siebleben bei Gotha nieder, wo ihm später von Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha der Hofratstitel verliehen wurde.

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Diverse Einzeltitel

Hier werden nach und nach Einzeltitel, die (vorerst) nicht in die anderen Rubriken passen, aufgeführt.

 

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Die Handschriften von Arborea

In den letzten Jahrzehnten kam zu Oristano auf der Insel Sardinien eine größere Anzahl Handschriften und Brieffragmente auf Pergament und Papier zum Vorschein, deren Inhalt die größte Bedeutung für Geschichte und Alterthümer der Insel beanspruchte. Die Documente waren ihrem Inhalte nach aus fast jedem Jahrhundert unserer Zeitrechnung, vom achten bis sechzehnten, darunter auch ein Palimpsest; sie enthielten eine Fülle von Thatsachen über die Geschichte und die Zustände der Insel Sardinien durch das ganze Mittelalter, die ältesten Proben italienischer Sprache in Vers und Prosa, Lebensgeschichten berühmter Sarden u.s. w.; sie erschienen als Bestandtheile einer Sammlung, welche beim Erwachen der Humanitätsstudien ein literarisch gebildeter Sarde angelegt hatte. Im Jahre 1846 wurde das erste dieser Documente, 1863 die ganze Sammlung unter dem Titel: Pergame, codici e fogli cartacei di Arborea von Pietro Martini in stattlichem Werke herausgegeben. Die Sache machte großes Aufsehen, zumeist in Italien, die Bereicherung unseres Wissens war plötzlich und auffallend, die ganze Culturgeschichte des italienischen Mittelalters erhielt ein verändertes Aussehn.

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Soll und Haben, Buch 3 - Kapitel 4

Glücklich der Fuß, welcher über weite Flächen des eigenen Grundes schreitet; glücklich das Haupt, welches die Kraft der grünenden Natur einem verständigen Willen zu unterwerfen weiß! Alles, was den Menschen stark, gesund und gut macht, das ist dem Landwirth zu Theil geworden. Sein Leben ist ein unaufhörlicher Kampf, ein endloser Sieg. Ihm stählt die reine Gottesluft die Muskeln des Leibes, ihm zwingt die uralte Ordnung der Natur auch die Gedankern zu geordnetem Lauf. Er ist der Priester, welcher Betändigkeit, Zucht und Sitte, die ersten Tugenden eines Volkes, zu hüten hat. Wenn andere Arten nützlicher Thätigkeit veralten, die seine ist so ewig, wie das Leben der Erde; wenn andere Arbeit den Menschen in enge Mauern einschließt, in die Tiefen der Erde oder zwischen die Holzplanken des Schiffes, sein Blick hat nur zwei Grenzen, oben den blauen Himmel, und unten den festen Grund. Ihm wird die höchste Freude des Schaffens, denn was sein Befehl von der Natur fordert, Pflanze und Thier, das wächst unter seiner Hand zu eigenem frohen Leben auf. Auch dem Städter ist die grüne Saat und die goldene Halmfrucht des Feldes, das Rind auf der Weide und das galoppierende Füllen, Waldesgrün und Wiesenduft eine Erquickung des Herzens, aber kräftiger, stolzer, edler ist das Behagen des Mannes, der mit dem Bewußtsein über seine Flur schreitet, dies alles ist mein, meine Kraft erschuf es, und mir gereicht es zum Segen. Denn nicht in mühelosem Genuß betrachtet er die Bilder, welche ihm die Natur entgegenhält. An jeden Blick knüpft sich ein Wunsch, an jeden Eindruck ein Vorsatz, jedes Ding hat für ihn einen Zweck, denn Alles, das fruchtbare Feld, das Thier und der Mensch soll Neues schaffen nach seinem Willen, dem Willes des Gebieters. Die tägliche Arbeit ist sein Genuß, und in diesem Genusse wächst seine Kraft. - So lebt der Mann, welcher selbst der arbeitsame Wirth seines Gutes ist.

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